Neue Eigentlichkeit eG wird liquidiert

Konzept an Vermieter gescheitert



Liebe Kulturgenossen,
liebe Freunde und Wegbegleiter der Neuen Eigentlichkeit,

leider müssen wir an dieser Stelle die Auflösung der Neuen Eigentlichkeit eG verkünden.
Am 17.03.2013 hat die Generalversammlung unserer Genossenschaft die Liquidation mit 35 von 39 anwesenden Stimmen (keine Gegenstimmen, 4 Enthaltungen) beschlossen.

Liquidation der Kulturgenossenschaft
Derzeit befinden wir uns in der Liquidationsphase, die vom Liquidator, dem früheren Vorstandsmitglied Christian August Geyler durchgeführt wird. Die Anteile werden im Abschluss der Phase an die Mitglieder ausgezahlt, es ist allerdings damit zu rechnen, dass dies nicht vor Mai 2014 geschehen wird.

Sämtliche Wertgegenstände und Schätze unserer Kulturgenossenschaft konnten wir auf einer von uns durchgeführten Versteigerung verkaufen, so dass die Erlöse am Ende der Liquidation helfen werden, die hohen Verluste der Genossen teilweise auszugleichen. Es freut uns besonders, dass wir mit der Versteigerung auch zahlreiche andere Kulturbestrebungen mit unserer Technik und Ausstattung unterstützen können und hoffen, dass wir so einen kleinen Beitrag für andere Kulturstätten leisten kontnen.

Warum aufgeben?
Zu diesem traurigen Schritt waren wir gezwungen, da unsere Spielstätte im Kleinen Joachimsthal im Stadtzentrum Leipzigs verunmöglicht wurde. Über 4 Jahre lang haben wir gekämpft und unserem Slogan aus Gründungstagen – Umstände lassen sich verändern – folgend alles gegeben, um den Traum eines Programmkinos mit angeschlossener Galerie und Bar als Ort des Austausches Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Dank gilt allen Mitstreitern
Eine unglaublich große und begeisterte Zahl an Mitstreitern hat sich mit uns auf den Weg gemacht, so dass es uns 2011 sogar gelang, einen Mietvertrag im Kleinen Joachimsthal zu unterschreiben. Dank des deutschlandweiten Presseechos und dem außerordentlichen Engagement vieler Freiwilliger haben wir über 80 Mitglieder und eine große Menge an Kapital zur Umsetzung unseres Kinos gewinnen können.

Einsicht, dass ein Kampf verloren ist
Um so schlimmer hat es uns getroffen, dass unser Vermieter, eine Tochtergesellschaft der CG-Gruppe, uns immer wieder im Weg stand und uns systematisch hingehalten hat. Selbst unzählige Gespräche mit großzügiger Unterstützung von Rechtsanwälten und anderer großer Genossenschaften haben nichts gebracht.

Obwohl auf der Baustelle so einiges nicht mit rechten Dingen zuging, wurden wir auf dem Bauordnungsamt vertröstet. Der Großinvestor muss, so die einzig mögliche Schlussfolgerung, für die Stadt eindeutig wichtiger sein, als die Bemühung um Subkultur im Stadtzentrum. Es wurden seitens unseres Vermieters bauliche Tatsachen geschaffen, die es verhinderten, dass wir für unsere Spielstätte jemals eine Betriebserlaubnis bekommen hätten (Stichwort: Brandschutz, Schallschutz, Belüftung). Wir mussten einsehen, dass sich der Traum von der Neuen Eigentlichkeit eG im Kleinen Joachimsthal verunmöglicht hatte. Der Kampf um unsere Spielstätte hatte in über 4 Jahren sehr viele persönliche Opfer mit sich gebracht. So war auch eine Wiederaufnahme der bereits 2011 intensiv durchgeführten Suche nach alternativen Spielstätten mittlerweile nicht mehr zu stemmen.

Machen Sie weiter! / Kopieren erwünscht
Aber wir glauben noch immer an die Sache, an unser Konzept aus Kino, Galerie und Bar vereint unter einem Dach in der Innenstadt: intendantisches Programmkino im Tagesprogramm, Ausstellungen, die die Diskussionen aus dem Kino in die Galerie tragen, vertiefen, ergänzen und erweitern und die Bar als Ort des Austausches, in der das Personal mit den Gästen über das Gesehene ins Gespräch kommt; Gäste, die sich nicht nur aus dem üblichen Kulturpublikum speisen, sondern sich mit den in der Innenstadt schlendernden Touristen, Einkaufenden und dort Arbeitenden mischen und so zu ganz neuen Konstellationen in den Gesprächen führen.

Daher möchten wir unser Konzept unter Creative Commons (CC) Lizenz der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
Unser Konzept können Sie hier herunterladen: (DOWNLOAD wird ab 01. Juni 2013 freigeschaltet)

Wir müssen unseren Kampf an dieser Stelle aufgeben. Es geht also nicht mehr um den alten Slogan aus Gründungstagen: „Umstände lassen sich verändern.“

Die Neue Eigentlichkeit eG ist an eben diesen Umständen tragisch gescheitert. Der Vorstand bedankt sich bei allen Kulturgenossen, Kollegen, Weggefährten, Helfern und Partnern, die die wohl schönste Kulturunternehmung Leipzigs erschaffen wollten und seit 2008 hart für diese kämpften.

„Mögen sich unsere Wege auch in Zukunft kreuzen“
Almut Wiedenmann und Christian August Geyler



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Impressum
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Liquidator
Christian August Geyler
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Neue Eigentlichkeit eG
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GenR 496 - AG Leipzig
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